PropertyValue
?:about
?:abstract
  • In einem mehrstufigen Übersetzungs- und Skalentestverfahren haben wir eine deutsche Version der Human Flourishing Scale (Flourish Index, FI und Secure Flourish Index, SFI) entwickelt, um verschiedene Dimensionen des subjektiven Wohlbefindens und des allgemeinen Wohlergehens zu messen. Der FI besteht aus fünf Dimensionen: Lebensfreude und Lebenszufriedenheit, körperliche und psychische Gesundheit, Sinn und Zweck, Charakter und Tugenden sowie enge soziale Beziehungen. Der SFI ergänzt die Dimension finanzielle und materielle Stabilität, die als notwendig erachtet wird, um die anderen Dimensionen im Laufe der Zeit aufrechtzuerhalten. Der zwölf Items umfassende SFI ist ein Maß für Wohlergehen, das kurz genug ist, um es in verschiedenen Kontexten einzusetzen, unter anderem am Arbeitsplatz und in Bevölkerungsumfragen. Dabei ermöglicht er eine umfassende Beurteilung der wichtigsten Dimensionen des „vollständigen“ Wohlbefindens. (de)
  • We developed a German version of the Human Flourishing Scale (Flourish Index, FI and Secure Flourish Index, SFI) in a multi-stage translation and scale testing process to measure distinct domains of subjective well-being and overall flourishing. The FI consists of five sub-domains: happiness and life satisfaction, physical and mental health, meaning and purpose, character and virtue, and close social relationships. The SFI adds the sub-domain financial and material stability, which is thought necessary to sustain the other domains over time. The twelve-item SFI is a measure of flourishing that is short enough to be practical in a variety of settings, including in the workplace and in population surveys. It is comprehensive in its assessment of the most essential domains of “complete” well-being. (en)
?:author
?:constructs
?:criteria
  • Objektivität Die Objektivität der Messung wurde dadurch gewährleistet, dass zunächst mittels eines qualitativen Pretests untersucht wurde, ob die Items gleich verstanden und interpretiert werden, in den Online-Erhebung gibt es keinen Einfluss von Interviewenden auf die Antworten der Befragten, zudem wurden standardisierte Auswertungsverfahren verwendet. Reliabilität Die Reliabilität des FI und des SFI sowie aller Teildomänen wurde in Studie 1 mittels interner Konsistenzanalyse (Cronbachs α) ermittelt. Die meisten α-Koeffizienten zeigen eine akzeptable bis ausgezeichnete Reliabilität (Tabelle 6) mit Werten zwischen .75 und .94. Die einzige Ausnahme ist D4 mit α = .40. In Studie 2 wurde zusätzlich zu Cronbachs α mittels Omega-Koeffizienten (ω) geprüft, inwiefern die latente Variable die gemeinsame Varianz aller Items widerspiegelt (McDonald, 2013). Die Cronbachs α-Werte zeigen eine akzeptable bis ausgezeichnete Reliabilität des SFI und FI sowie aller Teildimensionen (α zwischen .72 und .91), wobei das α der Dimension D4 nach Überarbeitung von Item D4.2 von .40 auf .49 anstieg. Die mit den Omega-Koeffizienten ermittelte Messgenauigkeit zeigt für beide Skalen ein ausreichendes Maß an Skalenreliabilität (ωFI = .89, ωSFI = .89). Dies trifft mit Ausnahme von Dimension D4 auch auf die Subskalendimensionen zu (ωD1 = 0.87, ωD2 = 0.74, ωD3 = 0.81, ωD4 = 0.50, ωD5 = 0.91 und ωD6 = 0.91). Die Werte von Cronbachs α in Studie 3 weisen wiederum auf eine akzeptable bis ausgezeichnete interne Konsistenz hin. Mit Ausnahme der Dimension D4 lagen die α-Werte zwischen .73 und .94. Der α-Koeffizient für D4 ist zwar im Vergleich zu Studie 2 gesunken, nimmt aber immer noch einen höheren Wert an als in Studie 1. Tabelle 6 Cronbachs α der deutschen Version des Flourish Index (FI) and Secure Flourish Index (SFI) (NStudie 1 = 192, NStudie 2 = 13.268 und NStudie 3 = 317) Dimension Subskala α Studie 1 α Studie 2 α Studie 3 D1. Lebensfreude und Lebenszufriedenheit FI, SFI .81 .86 .85 D2. Körperliche und psychische Gesundheit FI, SFI .75 .72 .73 D3. Sinn und Zweck FI, SFI .80 .80 .83 D4. Charakter und Tugenden FI, SFI .40 .49 .43 D5. Enge soziale Beziehungen FI, SFI .86 .90 .90 D6. Finanzielle und materielle Stabilität SFI .94 .91 .94 FID1-5 FI .88 .89 .89 SFID1-6 SFI .88 .88 .87 Alles in allem weisen unsere Daten trotz der Kürze des Messinstrumentes auf eine akzeptable bis ausgezeichnete Reliabilität des FI und des SFI sowie aller Subdimensionen hin. Nach einer geringfügigen Änderung des Wortlauts eines Items im Bereich D4-Charakter und Tugend stieg die Reliabilität der Dimension an. In künftigen Studien könnte es dennoch sinnvoll sein, dieses Item erneut zu bewerten und zu verbessern. Validität Die Konstruktvalidität der Human Flourishing Scale wurde hinsichtlich diskriminanter und und konvergenter Validität mit Blick auf eine Reihe an Maßen zur psychischen Gesundheit, zum sozialen Zusammenhalt, zu persönlichen Ressourcen und zum Wohlstand sowie mit dem PERMA-Profiler untersucht. Hierfür wurden Pearson-Korrelationen verwendet. Sullivan und Fein (2012) klassifizieren der Stärke der korrelativen Assoziationen wonach r > ± .2 auf einen kleinen Effekt hindeutet, r > ± .5 auf einen mittleren Effekt und r > ± .8 auf einen großen Effekt. Diskriminante Validität Studie 2 untersucht die diskriminante Validität der Human Flourishing Scale mit subjektiven (z. B. Versagensangst) und objektiven (z. B. Diagnose einer psychischen Erkrankung) Maßen der psychischen Belastung, des sozialen Zusammenhalts (z. B. wahrgenommene soziale Unterstützung), der persönlichen Ressourcen (z. B. Selbstwirksamkeit) und der subjektiven (z. B. Fähigkeit, Geld zu sparen) und objektiven Maße des wirtschaftlichen Wohlstands (z. B. Haushaltsäquivalenzeinkommen). Wie erwartet zeigten Personen, bei denen eine psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, die mehr Versagensängste, ein höheres Temperament und materialistischere Tendenzen aufwiesen, niedrigere FI- und SFI-Werte (alle p-Werte < .001, Tabelle 7). Positive Korrelationen wurden mit der Berlin Social Support Scale (BSSS), der Wichtigkeit von Gesundheit, allgemeinen Selbstwirksamkeitserwartungen (ASKU) und der Möglichkeit, Geld zu sparen, gefunden (alle p < .001). Das Haushaltsäquivalenzeinkommen korrelierte nur geringfügig mit FI und SFI. Weitere Einzelheiten zu den Korrelationen mit den sechs Bereichen des Wohlergehens sind in Tabelle 7 zu finden. Zudem waren in Studie 3 Indikatoren für negative Emotionen und Einsamkeit enthalten (die als Zusatzitems im PERMA-Profiler erhoben wurden). Hier zeigten sich bezüglich negativer Emotionen (r = -.21 bis r = -.46, insbesondere bezüglich FI, SFI und der Dimension „Lebensfreude und Lebenszufriedenheit“ (D1)) und Einsamkeit (r = -.12 bis r = -.48, insbesondere bezüglich Dimension „enge soziale Beziehungen“ (D5)) negative Korrelationen mit bis zu kleinen Effektstärken. Für weitere Einzelheiten siehe Tabelle 8. Tabelle 7 Interkorrelationen des Flourish Index (FI) und des Secure Flourish Index (SFI) mit Validierungsmaßen (NStudie 2 = 13.268). FID1-5 SFID1-6 D1 D2 D3 D4 D5 D6 Wichtigkeit der Gesundheit .19*** .18*** .15*** .12*** .15*** .18*** .15*** .06*** Diagnostizierte psychische Erkrankungen -.29*** -.30*** -.27*** -.38*** -.21*** -.09*** -.19*** -.17*** Versagensangst -.38***

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  • Instruktion „Bitte beantworten Sie die folgenden Fragen auf einer Skala von 0 bis 10:“. Items In Tabelle 1 werden die Items für der Human Flourishing Scale für den Flourish Index (FI) und für den Secure Flourish Index (SF) dargestellt. Der SFI hat fünf Dimensionen mit jeweils zwei Fragen oder Statements, während der SFI eine weitere Dimension mit zwei weiteren Fragen umfasst. Tabelle 1 Items der deutschen Version des Flourish Index (FI) und des Secure Flourish Index (SFI) Nr. Item Dimension Polung Subskala 1 Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig alles in allem mit Ihrem Leben? D1. Lebensfreude und Lebenszufriedenheit + FI, SFI 2 Wie glücklich oder unglücklich fühlen Sie sich normalerweise im Allgemeinen? D1. Lebensfreude und Lebenszufriedenheit + FI, SFI 3 Wie würden Sie Ihre körperliche Gesundheit im Allgemeinen bewerten? D2. Körperliche und psychische Gesundheit + FI, SFI 4 Wie würden Sie Ihre psychische Gesundheit im Allgemeinen bewerten? D2. Körperliche und psychische Gesundheit + FI, SFI 5 Inwieweit haben Sie das Gefühl, dass das, was Sie in Ihrem Leben tun, einen Nutzen hat? D3. Sinn und Zweck + FI, SFI 6 Ich weiß, was der Sinn meines Lebens ist. D3. Sinn und Zweck + FI, SFI 7 Ich setze mich immer für das Gute ein, selbst in schwierigen und herausfordernden Situationen. D4. Charakter und Tugenden + FI, SFI 8 Ich bin immer in der Lage, auf momentane Wünsche zu verzichten, um mir in der Zukunft größere Wünsche zu erfüllen.* D4. Charakter und Tugenden + FI, SFI 9 Ich bin mit meinen Freundschaften und Beziehungen zufrieden. D5. Enge soziale Beziehungen + FI, SFI 10 Meine Beziehungen sind so erfüllend, wie ich es mir wünsche. D5. Enge soziale Beziehungen + FI, SFI 11 Wie oft machen Sie sich Sorgen, ob Sie Ihre monatlichen Lebenskosten decken können? D6. Finanzielle und materielle Stabilität + SFI 12 Wie oft machen Sie sich Sorgen um Ihre persönliche Sicherheit, die Möglichkeit, sich Lebensmittel leisten zu können, oder Ihre Wohnsituation? D6. Finanzielle und materielle Stabilität + SFI * Anmerkung. Oben zeigen wir den Wortlaut von Studie 2 und 3, der Wortlaut in Studie 1 war „Ich bin immer in der Lage, auf momentane Freude zu verzichten, um in der Zukunft größere Freude zu erlangen.” Antwortvorgaben Es gibt für jedes Item 11 Antwortmöglichkeiten. Dafür wurden jeweils ein Anfangs- und ein Endlabel verwendet. Zusätzlich kann die Option keine Angabe (wie in unseren Studien) verwendet werden. Item 1: 0 = überhaupt nicht zufrieden, 10 = voll und ganz zufrieden Item 2: 0 = extrem unglücklich, 10 = extrem glücklich Items 3–4: 0 = sehr schlecht, 10 = ausgezeichnet Item 5: 0 = überhaupt nicht, 10 = voll und ganz Item 6: 0 = stimme überhaupt nicht zu, 10 = stimme voll und ganz zu Item 7–8: 0 = trifft nicht auf mich zu, 10 = trifft voll und ganz auf mich zu Items 9–10: 0 = stimme überhaupt nicht zu, 10 = stimme voll und ganz zu Items 11–12: 0 = sorge mich ständig, 10 = sorge mich nie Auswertungshinweise Die Items wurden auf einer 11-Punkte-Skala (von 0 bis 10) gemessen. Alle Items sind positiv kodiert (siehe Tabelle 1). Der Flourish Index (FI) setzt sich aus den Items 1 bis 10 zusammen und umfasst die Dimensionen: Lebensfreude und Lebenszufriedenheit (D1), körperliche und psychische Gesundheit (D2), Sinn und Zweck (D3), Charakter und Tugenden (D4) sowie enge soziale Beziehungen (D5). Der Secure Flourish Index (SFI) beinhaltet zusätzlich die Dimension finanzielle und materielle Stabilität (D6). Zur Berechnung des FI wurden alle Items der Dimensionen 1 bis 5 gemittelt. Um den SFI zu berechnen, wurden die Items aller sechs Dimensionen gemittelt. Zudem können die sechs Dimensionen auch einzeln verwendet werden, dafür wird jeweils der Mittelwert für jedes Item-Paar gebildet. Höhere Werte implizieren ein höheres Maß an menschlichem Wohlergehen bzw. der jeweiligen Subdimensionen. Sollte wie in unseren Studien die Kategorie „Keine Angabe“ verwendet werden, empfehlen wir diese als fehlenden Wert zu behandeln. Fälle mit fehlenden Werten wurden aus unseren Analysen ausgeschlossen. Zukünftig könnte getestet werden, wie robust die Skala beim Fehlen einzelner Werte ist oder inwiefern Imputationsverfahren geeignet sind, um fehlende Werte zu ersetzen. Anwendungsbereich Die Human Flourishing Scale mit dem zehn bzw. zwölf Items umfassenden FI und SFI eignet sich für groß angelegte, themenübergreifende und interkulturelle Studien zur Beobachtung von Veränderungen und Stabilitäten des subjektiven Wohlergehens sowie für länderübergreifende Vergleiche (Wȩziak-Białowolska et al., 2019a, 2019b). Unsere Übersetzung ins Deutsche sowie die entsprechende Validierung über die gesamte Bevölkerung (ab 18 Jahren) sollen Wissenschaftler:innen in Deutschland (und darüber hinaus) dabei helfen, ein möglichst umfassendes Verständnis der verschiedenen Dimensionen des Wohlbefindens zu erlangen und diese zu erforschen – einschließlich der vergleichsweise selten betrachteten Dimensionen „Charakter und Tugend“ und „finanzielle und materielle Stabilität“ sowie der Facette „körperliche Gesundheit“ (VanderWeele et al., 2023; Willen, 2021). Der zwölf Items umfassende SFI der Human Flourishing Scale ist ein Maß für das Wohlergehen, das kurz genug ist, um in einer Vielzahl von Situationen eingesetzt werden zu können, unter anderem am Arbeitsplatz und in Bevölkerungsumfragen, in denen längere Maße nicht möglich sind. Dennoch umfasst es die wichtigsten Bereiche des „vollständigen“ Wohlergehens, wie sie in interdisziplinärer Forschung identifiziert wurden. Der zehn Items umfassende FI lässt die beiden Fragen zur finanziellen und materiellen Stabilität aus, ist aber ansonsten mit dem SFI identisch. Der FI eignet sich, wenn die Erhebung bereits andere Maße für finanzielle und materielle Stabilität beinhaltet oder wenn diese „Mittel“- anstelle von „Ziel“-Items nicht von Interesse sind. Die multidimensionale Messung des menschlichen Wohlergehens ist wichtig, um auch kulturübergreifenden zu verstehen, ob und durch welche Mechanismen, in welchen Dimensionen und mit welchen Folgen sich die teilweise dramatischen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Gesellschaften weltweit auf Menschen auswirken (Lee, Kubazansky, et al., 2021). Der FI und SFI eignen sich hierfür besonders, da sie zeit- und kosteneffizient sind und so auch sehr gut in längsschnittlichen, prospektiven Studien eingesetzt werden können, um das subjektive Wohlbefinden und die Verfügbarkeit materieller und finanzieller Voraussetzungen (die zur Aufrechterhaltung des Wohlergehens im Zeitverlauf notwendig sind) abzubilden. Die Instrumente dürften sich daher insbesondere für Studien im Kontext von Public Health, Psychologie, Soziologie, Politikwissenschaften und Ökonomie geeignet sein. Bislang wurden die deutschen Versionen des FI und SFI mittels Computer-Assisted Self-Administered Interviewing (CASI) erhoben, wir gehen jedoch davon aus, dass sich die Instrumente auch für andere Erhebungsmodi eignen (z.B. paper-and-pencil und Telefoninterviews). Zukünftige Studie könnten zudem testen, inwiefern sich die Instrumente für diagnostische Zwecke eignen. (xsd:string)
?:development
  • Itemkonstruktion und Itemselektion Dies stellt eine Übersetzung des FI und des SFI zur Erfassung unterschiedlicher Dimensionen des menschlichen Wohlergehens dar (VanderWeele, 2017). Ursprünglich wurden die Skalen in den Vereinigten Staaten entwickelt und bereits in mehrere Sprachen übersetzt und unter anderem in China, Mexiko, Polen, Sri Lanka und Kambodscha eingesetzt (Wȩziak-Białowolska et al., 2019a). Mit je zwei Fragen/Items werden die Unterdimensionen Lebensfreude und Lebenszufriedenheit (D1), psychische und körperliche Gesundheit (D2), Sinn und Zweck (D3), Charakter und Tugenden (D4) und enge soziale Beziehungen erfasst (D5), wobei der SFI zusätzlich die Dimension finanzielle und materielle Stabilität (D6) berücksichtigt. In Schritt 1 wurde das Instrument einschließlich der Anweisungen und Antwortmöglichkeiten von einem professionellen Übersetzer (deutscher Muttersprachler) und einem zweisprachigen Soziologen mit Expertise in Umfrageforschung vom Englischen ins Deutsche übersetzt. Dabei orientierten wir uns an den internationalen Richtlinien für eine kulturübergreifende Anpassung von gesundheitsbezogenen Selbstauskünften (Beaton et al., 2000; Guillemin et al., 1993). In Schritt 2 wurden die Rückübersetzungen von zwei zweisprachigen englischen Muttersprachlern vorgenommen. Von diesen ist einer ein professioneller Übersetzer und einer ein Soziologe mit Expertise im Bereich Wohlbefindensforschung, der zudem mit der englischen Version des SFI und den sozialwissenschaftlichen Konstrukten, die damit erfasst werden sollten, vertraut ist. In Schritt 3 wurden Diskrepanzen zwischen den Übersetzungen und den Originalitems von zwei Mitgliedern des Forschungsteams, zwei professionellen Linguist:innen für Englisch (einer ist englischer Muttersprachler), einem Soziologen mit Expertise in Umfrageforschung (deutscher Muttersprachler), den beiden Originalübersetzern und den beiden Rückübersetzern diskutiert. Die Gruppe wurde darüber informiert, dass das Ziel darin besteht, sicherzustellen, dass die Übersetzung möglichst allgemeinverständlich ist (z. B. kurze Sätze, einfache Formulierungen, Aktiv statt Passiv oder Vermeidung von Metaphern) und die kulturübergreifende Äquivalenz sowie die konzeptionelle Äquivalenz berücksichtigt (Guillemin et al., 1993). Obwohl einige Items zu Diskussionen führten, z. B. die Übersetzung des Ausdrucks „purpose of life“ oder des Begriffs „happiness“ (D4.2), gelangte die gesamte Gruppe zu einem Konsens über die endgültigen Formulierungen der einzelnen Items. In Schritt 4 wurden kognitive Pretests mit einer diversifizierten Stichprobe von 18 Erwachsenen aus Deutschland durchgeführt. Dabei kamen die Think Aloud-Technik sowie gezielte Fragen zu einzelnen Aspekten der Instrumente zum Einsatz, um die Verständlichkeit und Inhaltsvalidität der Items zu erfassen (Van Someren et al., 1994). Dabei wurden die Befragten nach ihrem Verständnis des Sinn-Items (D4.1) gefragt, wodurch wir feststellten, dass einige Befragte die Beantwortung als anspruchsvoll wahrnahmen und verstärkt darüber nachdenken mussten. Sie konnten die Frage aber schließlich beantworten. Zudem stellte sich heraus, dass das Tugend-Item (D4.2) zwar wie beabsichtigt verstanden wurde (z. B. in Bezug auf die Fähigkeit, Befriedigung aufzuschieben, um bessere Ergebnisse zu erzielen), die Befragten aber auch hier nachdenken mussten. Auf der Grundlage dieser vier Schritte erfolgte ein Test der Skaleneigenschaften anhand von drei Studien (Schritt 5). Die erste Studie zielte darauf ab, die übersetzten deutschen Items, Subdimensionen und die FI sowie die SFI-Skala deskriptiv zu untersuchen und die dimensionale Struktur sowie die Skalenreliabilität zu erforschen. Auf der Grundlage der Ergebnisse dieses ersten quantitativen Tests und angesichts der Diskussionen in den vorangegangenen Phasen haben wir das Item D4.2 überarbeitet, indem das Wort „Freude“ durch das Wort „Wünsche“ ersetzt wurde und der Rest des Items entsprechend angepasst wurde, um so die Verständlichkeit zu erhöhen (siehe Tabelle 1 sowie die Ergebnisse weiter unten). Die zweite Studie diente dazu, die Ergebnisse von Studie 1 zur dimensionalen Struktur mittels konfirmatorischer Faktorenanalyse (CFA) zu replizieren, insbesondere vor dem Hintergrund der Überarbeitung von Item D4.2. Die Messinvarianz über Geschlecht und Alter wurde getestet, da frühere Untersuchungen darauf hinwiesen, dass Indikatoren für Wohlergehen teilweise entlang beider Indikatoren variieren können (z.B. Diener et al., 1999). Die interne Konsistenz wurde erneut mittels Cronbachs α und McDonald ω untersucht. Darüber hinaus wurde in Studie 2 die diskriminante Validität des FI und SFI untersucht. Hierfür wurden Skalen mit subjektiven (z. B. Versagensangst) und objektiven (z. B. Diagnose einer psychischen Erkrankung) Messungen für psychische Belastung, sozialen Zusammenhalt (z. B. wahrgenommene soziale Unterstützung), persönliche Ressourcen (z. B. Selbstwirksamkeit) sowie subjektive (z. B. Fähigkeit, Geld zu sparen) und objektive Messungen für wirtschaftliches Wohlbefinden (z. B. Haushaltsäquivalenzeinkommen) genutzt. Zunächst gaben die Befragten auf einer Skala von „nicht wichtig“ [0] bis „sehr wichtig“ [10] an, wie wichtig ihnen ihre Gesundheit ist (adaptiert von Forschungsdatenzentrum ALLBUS, 2012). Darüber hinaus wurden die Teilnehmer gefragt, ob bei ihnen Krankheiten wie Depressionen, Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADS), Phobien, Demenz oder andere psychische Erkrankungen diagnostiziert wurden. Hierfür wurde ein binärer Indikator erstellt, wobei der Wert 0 „keine psychische Erkrankung“ und 1 „ja, mindestens eine psychische Erkrankung“ bedeutet. Versagensangst wurde mit zwei Items der deutschen Version der Revised Achievement Motives Scale (Lang & Fries, 2006) gemessen. Dabei reichte die Antwortskala von „trifft überhaupt nicht zu“ [1] bis „trifft voll zu“ [5]. Die instrumentelle und emotionale soziale Unterstützung wurde anhand von vier Items der Berlin Social Support Scale (Schwarzer et al., 2003) mit den Antwortmöglichkeiten „trifft überhaupt nicht zu“ [1] bis „trifft voll und ganz zu“ [5] gemessen. Zur Erfassung von Selbstwirksamkeitserwartungen wurde die drei Items umfassende Kurzskala Allgemeine Selbstwirksamkeitserwartungen (ASKU) verwendet (Beierlein et al., 2013). Die Antwortoptionen reichten von „trifft überhaupt nicht zu“ [1] bis „trifft voll und ganz zu“ [5]. Temperament wurde mittels zwei Items aus einer Selbstkontrollskala erfasst (Grasmick & Bursik, 1990; Kroneberg et al., 2016). Dabei umfasste die Antwortskala Antworten von „trifft nicht zu“ [1] bis „trifft völlig zu“ [5]. Darüber hinaus wurden materialistische Tendenzen mittels der Subdimension Erfolg der deutschen Version (Müller et al., 2013) der Material Values Scale (Richins, 2004) untersucht und zwar inwiefern Personen dazu neigen, den Erfolg anderer und sich selbst anhand von Besitztümern zu beurteilen. Die Antwortmöglichkeiten reichten von „trifft nicht zu“ [1] bis „trifft voll zu“ [5]. Zudem wurde das monatliche Haushaltsnettoeinkommen mittels einer offenen Frage erfasst (übernommen aus Beckmann et al., 2016). Wurde darauf nicht geantwortet, wurde nochmals mittels Einkommenskategorien abgefragt. Zur Schätzung des Äquivalenzeinkommens wurde zudem die Anzahl der Personen pro Haushalt ermittelt. Das Äquivalenzeinkommen wurde dann mit der modifizierten OECD-Skala berechnet, bei der dem ersten Erwachsenen ein Gewicht von 1, weiteren Erwachsenen jeweils 0.5 und jedem Kind (unter 14 Jahren) ein Gewicht von 0.3 zugeordnet wird (European Commission et al., 1995). Das Einkommen wurde durch das Gewicht geteilt. Bei Einkommenskategorien wurde der Mittelwert der Kategorie verwendet. Da die letzte Kategorie nach oben offen war, wurde der Mittelwert geschätzt (Celeste & Bastos, 2013). Außerdem wurde danach gefragt, ob man in der Regel jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag zum Sparen übrighat (z. B. für größere Anschaffungen, Notfälle oder den Aufbau von Vermögenswerten) (Sauer & Valet, 2014). Die Antwortmöglichkeiten waren „nein“ [0] und „ja“ [1]. In Studie 3 wurde die konvergente Validität untersucht. Dazu wurden Korrelationen des FI und SFI sowie den Subdimensionen mit der deutschen Version des PERMA-Profilers ermittelt. Der PERMA-Profiler ist ebenso ein kurzes multidimensionales Maß zur Erfassung des psychologischen Wohlbefindens (Wammerl et al., 2019) im Sinne der PERMA-Theorie von Seligman (Seligman, 2012). Für jede der fünf Dimensionen haben wir drei Items verwendet: Positive Emotionen (P), Engagement (E), positive Beziehungen (R), Sinn (M) und Zielerreichung (A) (Wammerl et al., 2019). Wie in der Originalstudie haben wir zudem acht Füll-Items aufgenommen mit dem Ziel, Antworttendenzen zu unterbrechen und zusätzliche Informationen zu erhalten: ein Item bezog sich auf die allgemeine Lebensfreude, drei Items auf die selbst wahrgenommene körperliche Gesundheit, drei Items auf negative Emotionen (Traurigkeit, Wut und Angst) und ein Item auf die wahrgenommene Einsamkeit. Während die allgemeine Lebensfreude und die wahrgenommene körperliche Gesundheit zum Verständnis der konvergenten Validität beitragen sollten, dienten die negativen Emotionen und die Einsamkeit zur Überprüfung der diskriminanten Validität. Die Items wurden auf 11-Punkte-Skalen bewertet, die von „nie“ [0] bis „immer“ [10] oder „überhaupt nicht“ [0] bis „vollständig“ [10] reichten. Die Items jeder Dimension wurden gemittelt, und aus den 15 Items wurde schließlich ein Gesamtwert errechnet. Während die Gesamtwerte von FI und SFI mit dem PERMA-Profiler hoch korrelieren dürften, sollte sich für die jeweiligen Subskalen der Instrumente ein differenzierteres Bild zeigen. Während sich jeweils entsprechend Subskalen (z.B. positive Beziehungen und enge soziale Beziehungen) ebenfalls hoch korrelieren dürften, sollten sich zwischen nicht entsprechenden bzw. nicht vertretenden Subskalen (finanzielle Stabilität) nur geringe Zusammenhänge finden. Zudem waren in Studie 3 auch Items enthalten, die sich zu Bestimmung diskriminanter Validität eignen (Indikatoren für negative Emotionen und Einsamkeit). Stichproben Studie 1: Für die erste Studie, die mittels Computer-Assisted Self-Administered Interviewing (CASI) durchgeführt wurde, wurde eine offline rekrutierte, bundesweite Stichprobe verwendet. Dafür gab es eine mehrstufige Zufallsauswahl auf Basis der Telefonstichprobe des Arbeitskreises Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute e.V. (ADM). Die Stichprobe setzt sich aus erwachsenen Befragten in Deutschland zusammen, die über das forsa.omninet-Panel rekrutiert wurden. Die Bruttostichprobe bestand aus 264 eingeladenen Personen, von denen 237 (89.8 %) ihre schriftliche Einwilligung zur Teilnahme gaben und 200 (84.4 %) die multithematische Studie zwischen August und September 2020 abschlossen. Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten hat bei den FI- und SFI-Items „trifft nicht zu“ als Antwortoption gewählt, was darauf hindeutet, dass die Befragten die Fragen trotz des „philosophischen“ Charakters einiger Items problemlos beantworten konnten. Diese Zahl lag im Durchschnitt bei 2.3 von 203 Befragten, mit den höchsten Zahlen für das Tugend-Item D4.2 (N = 7; 3.4%) und das Charakter-Item D4.1 (N = 5; 2.5%). Somit umfasst unsere weitere Analyse aufgrund der listenweisen Streichung fehlender Antworten die Antworten von 192 Personen (45.8% Frauen, Durchschnittsalter: 45.64, Altersspanne: 18 bis 80 Jahre). Die Teilnehmer erhielten Bonuspunkte als Anreiz (ca. 2.30 $, umwandelbar in Gutscheine, ein Los für eine Wohltätigkeitslotterie oder eine Spende an UNICEF). Die Ethikkommission der Universität Erfurt hatte bezüglich der Durchführung der Studie keine Bedenken (Referenznummer: EV-20190917). Studie 2: Für Studie 2, die ebenfalls mittels CASI durchgeführt wurde, erfolgte die Rekrutierung der Befragten erneut über das forsa.omninet-Panel. Sie gehören zur zweiten Welle der ENHANCE-Studie. Die Ausgangsstichprobe war national repräsentativ hinsichtlich Geschlecht, Alter, Bildung und Bundesland für die erwachsenen Einwohner (ab 18 Jahren) in Deutschland (mit Internetzugang, was auf etwa 95% aller Haushalte zutrifft (Statista, 2020). Für diese Welle wurden 24.683 Personen eingeladen, von denen 17.818 (72.2%) Personen ihre schriftliche Einwilligung zur Teilnahme gaben. 15.235 (85.5%) schlossen die multithematische Studie zwischen Oktober und Dezember 2020 ab. Nur ein sehr kleiner Teil der Befragten hat bei allen FI- und SFI-Items „trifft nicht zu“ als Antwortoption gewählt (im Durchschnitt 1.2%, mit dem höchsten Anteil bei D3.2, nämlich 2.5%). Nach listenweisem Ausschluss fehlender Werte bei allen für die Analyse relevanten Items umfasst das Analysesample Antworten von 13.268 Personen (49.7% Frauen, Durchschnittsalter: 51.79, Altersspanne: 18 bis 92 Jahre). Die Teilnehmer erhielten Bonuspunkte als Anreiz (ca. $3.00, umwandelbar in Gutscheine, ein Los für eine Wohltätigkeitslotterie oder eine Spende an UNICEF), wenn sie die Umfrage abschlossen. Die Ethikkommission der Universität Erfurt sah keine ethischen Bedenken hinsichtlich der Studie (Referenznummer: EV-20200805). Studie 3: Für Studie 3 (erneut CASI) haben wir erwachsene Teilnehmer (ab 18 Jahren) in Deutschland über das respondi Online-Panel rekrutiert. Dies ist ein aktiv gemanagtes Panel mit freiwilliger Teilnahme und einem Double-Opt-In-Registrierungsverfahren. Mittels eines Scoring- und Kontrollverfahrens wird das Panel einer permanenten Qualitätskontrolle unterzogen. Für diese Studie wurde eine bundesweite, nach Geschlecht, Alter (18-74) und Bundesland repräsentative Quotenstichprobe verwendet. Die Studie wurde im Januar 2021 durchgeführt. Von den 388 teilnehmenden Befragten gaben 345 (88.9%) ihre schriftliche Einwilligung. Aufgrund fehlender Werte wurden Daten von 28 Befragten ausgeschlossen. Das Analysesample umfasst entsprechend 317 Befragte (49.4% Frauen; Durchschnittsalter: 45.73 Jahre zwischen 18 und 74 Jahren). Die Personen, die an der Umfrage teilnahmen, erhielten 0.45 € als Incentive. Die Ethikkommission der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln sah keine ethischen Bedenken bezüglich der Studiendurchführung (Genehmigungsnummer: 200028SeSa). Itemanalysen Explorative Faktorenanalyse Mit den Daten von Studie 1 wurde mittels explorativer Faktorenanalyse (EFA, hier einer Hauptachsenalayse) untersucht, auf welchen Faktoren die Items laden. Dafür wurde eine Oblimin-Rotation verwendet, um, wie in der Forschung zu Wohlergehen üblich, mögliche Korrelationen zwischen Dimensionen zu berücksichtigen (Keyes, 2005; Wȩziak-Białowolska et al., 2019b). Zuvor wurde über das Kaiser-Meyer-Olkin-Kriterium (KMO) und einen Bartlett-Tests auf Sphärizität geprüft, ob sich die Daten für eine Faktorenanalyse eignen. Der Bartlett-Test auf Sphärizität (Chi²FI = 960.11, pFI < .001; Chi²SFI = 1336.77, pSFI < .001) deutet darauf hin, dass unsere Daten für die geplante Datenreduktionsstrategie geeignet sind, und auch die KMO-Werte von .87 (FI) und .85 (SFI) implizieren eine hohe Eignung der Daten für eine Strukturerkennung. Die Ergebnisse der explorativen Faktorenanalysen (siehe Tabelle 2) zeigen eine einfaktorielle Lösung für den FI mit einem Eigenwert von 4.49 (siehe Abbildung 1). Tabelle 2 Ergebnisse der explorativen Faktorenanalyse (Oblimin-Rotation) der deutschen Version des Flourish Index (FI) und des Secure Flourish Index (SFI) (NStudie 1 = 192) Nr. Item Domain Subskala FID1-5 SFID1-6 F1 F1 F2 1 Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig alles in allem mit Ihrem Leben? D1 FI, SFI

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  • Zusammenstellung sozialwissenschaftlicher Items und Skalen (ZIS) (xsd:string)
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  • Das Thema „Wohlbefinden“ wird seit langem in den Sozial- und Geisteswissenschaften erforscht (Diener et al., 1999; Haybron, 2008; Ryff & Keyes, 1995). In den letzten Jahren hat sich diese Forschung stark ausgeweitet (Lee, Kubazansky, et al., 2021; Wammerl et al., 2019). Es besteht zwar kein Konsens über die wesentlichen Elemente des Wohlbefindens, aber die US-amerikanischen Zentren für Krankheitskontrolle und -prävention haben darauf hingewiesen, dass es mindestens eine positive Bewertung des Lebens, ein Gefühl des positiven Affekts und die Erfahrung einer guten körperlichen Gesundheit umfasst (Lee, Kubazansky, et al., 2021; siehe auch VanderWeele et al., 2023 über die Beziehung zwischen Wohlbefinden und Wohlergehen). Die Untersuchung des Wohlbefindens von Bevölkerungsgruppen ist wichtig, da es als allgemeiner menschlicher Wunsch angesehen werden kann, sich hinsichtlich verschiedener Dimensionen wohlzufühlen (VanderWeele, 2017). Außerdem wird ein höheres Wohlbefinden auch mit einem geringeren Risiko für chronische Krankheiten und Sterblichkeit in Verbindung gebracht (Trudel-Fitzgerald et al., 2021), also mit zentralen Gesundheitsindikatoren, die bspw. für epidemiologische Studien von Interesse sind. Darüber hinaus hilft uns die Erforschung des Wohlbefindens, die Auswirkungen sozialer, psychologischer und sozioökonomischer Aspekte auf das Funktionieren der Gesellschaft zu verstehen, was die Identifizierung sozialpolitischer „blind spots“ ermöglicht. Diese beeinflussen Ereignisse, die für viele Menschen von Bedeutung sind. Dazu zählen unter anderem soziale Verwerfungen wie die arabischen Unruhen und der Brexit (Clifton, 2022). Empirische Daten darüber, was Menschen glücklich und wohlhabend macht, sowie die Möglichkeit, Veränderungen des Wohlbefindens im Zeitverlauf zu bewerten und zu untersuchen, wie sich politische Entscheidungen auf das Wohlbefinden auswirken, ermöglichen auch die Identifizierung von Gruppen mit geringem Wohlbefinden bspw. um für sie gezielte Verbesserungen herbeizuführen (Michaelson et al., 2009). Neben Informationen wie dem Bruttoinlandsprodukt oder der Lebenserwartung ist eine kontinuierliche Messung des Wohlbefindens daher sowohl für Regierungen und Entscheidungsträger in Organisationen als auch für die breite Öffentlichkeit wichtig (Hone et al., 2014). Laut dem jüngsten World Happiness Reports lassen sich 75 % der Unterschiede in der Bewertung des Lebens (z. B. mit Blick auf Lebensfreude und Lebenszufriedenheit) zwischen Ländern durch sechs Faktoren erklären: Vier dieser Variablen spiegeln das soziale Gefüge einer Gesellschaft wider (d. h. jemanden zu haben, auf den man sich in schwierigen Zeiten verlassen kann; das Gefühl die Freiheit zu haben, Lebensentscheidungen zu treffen; Großzügigkeit und eine vertrauenswürdige Umgebung). Würde bei den Ländern mit den niedrigsten Werten auf diesen vier Variablen eine Angleichung auf den Weltdurchschnitt erfolgen, käme dies einer drastischen Verbesserung der Bewertung des Lebens gleich. Dieser Anstieg wäre größer als derjenige, der mit ähnlichen Veränderungen des Pro-Kopf-Einkommens und der durchschnittlichen Lebenserwartung einhergehen würde (Helliwell, 2021). Daher sollten Messinstrumente für das Wohlbefinden mehrdimensional sein. Nur so können die wichtigsten Facetten des Konstrukts erfasst werden, einschließlich von Aspekten, die über das Bruttoinlandsprodukt und die körperliche Gesundheit hinausgehen. Zugleich müssen Messinstrumente zuverlässig und valide sein, um in repräsentativen Bevölkerungsstichproben Verwendung zu finden (Diener et al., 2009). Aus diesem Grund sind eng gefasste Konstrukte wie „Gesundheit“ oder „Lebenszufriedenheit“ ganzheitlicheren Beurteilungen des „umfassenden Wohlbefindens“ oder „Wohlergehens“ gewichen (Hone et al., 2014; VanderWeele, 2017, 2019). Bei der zunehmenden Verbreitung von solchen umfassenden Instrumenten kamen Studien jedoch aufgrund unterschiedlicher Instrumente und Konzeptualisierungen der zu messenden Konstrukte zu unterschiedlichen Ergebnissen (Hone et al., 2014). Einige psychologische Maße des „Wohlergehens“, wie Seligmans PERMA-Profiler, fokussieren bspw. auf das „subjektive Wohlbefinden“ und bieten somit keine so umfassende Betrachtung, wie es der Begriff nahelegt (Wammerl et al., 2019). Zwar korrelieren viele Instrumente zur Erfassung von Wohlbefinden stark, aber sie sind nicht identisch. Deshalb wurde gefordert, dass die Wahl des Instruments möglichst klar die theoretischen Ziele repräsentieren sollte (Margolis et al., 2021). Hierfür wurden verschiedene Vorschläge unterbreitet, wie dies erreicht werden kann (Hone et al., 2014; VanderWeele, Trudel-Fitzgerald, et al., 2020), wenngleich es dabei keinen Konsens gibt (Ryff et al., 2020). Im Kern ist das Wohlergehen mit Begriffen wie Wachstum, Wohlstand und „Gedeihen“ verbunden (VanderWeele, 2019). Um festzustellen, ob es einer Person wohl ergeht, ist jedoch eine möglichst ganzheitliche Betrachtung der wichtigsten Ziele des menschlichen Lebens erforderlich. Dies umfasst „grundlegende Belange“ wie positive Gefühle, wirtschaftlicher Wohlstand oder körperliche Gesundheit, geht aber auch darüber hinaus (Lee, 2019). Diese Betrachtung kann sowohl objektive als auch subjektive Indikatoren sowie eine Beurteilung der gesellschaftlichen Bedingungen umfassen (VanderWeele, 2019). Manchmal ist es jedoch nur möglich, eine kleine Anzahl subjektiver Indikatoren zu erheben, weshalb eine vereinfachte Messung der wichtigsten Dimensionen des individuellen Wohlergehens wünschenswert ist (Lee, Kubazansky, et al., 2021; VanderWeele, 2019; VanderWeele, Trudel-Fitzgerald, et al., 2020). Diese Dimensionen mögen in den verschiedenen Kulturen unterschiedlich hoch bewertet werden, aber es scheint ein Konsens darüber zu bestehen, welche Dimensionen dazu zählen (Lee, Bialowolski, et al., 2021; VanderWeele, 2017; Wȩziak-Białowolska et al., 2019a, 2019b). Wohlergehen wird aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet, unter anderem philosophisch, psychologisch und aus einer interdisziplinären Perspektive (Stawski & Fritz, 2021). Die verschiedenen Messinstrumente des Wohlergehens haben alle ihre Stärken und Schwächen (Hone et al., 2014). Ein disziplinübergreifendes Messinstrument, das sowohl auf philosophischen als auch psychologischen Erkenntnissen aufbaut, hätte viele Vorteile. Dazu zählt die Einbeziehung von Dimensionen, die in einigen Instrumenten fehlen, darunter körperliche Gesundheit, ein guter Charakter und finanzielles Wohlergehen (Stawski & Fritz, 2021). Menschliches Wohlergehen als Zustand des vollständigen Wohlbefindens auf individueller Ebene umfasst somit mindestens fünf Bereiche, die einen gewissen Selbstzweck besitzen (Stawski & Fritz, 2021; VanderWeele, 2017): Der Bereich "Lebensfreude und Lebenszufriedenheit" bezieht sich auf das Ausmaß, in dem eine Person ihr Leben positiv bewertet und positive Gefühle empfindet. Die Dimension "körperliche und psychische Gesundheit " erfasst das allgemeine Gefühl, körperlich und emotional gesund zu sein. "Sinn und Zweck" bezieht sich auf das Gefühl, dass das eigene Leben einen Wert hat und beinhaltet ein Bewusstsein für eine sinnvolle Ausrichtung und bedeutsame Lebensziele. "Charakter und Tugenden" steht für das Gefühl, dass man ein besserer Mensch wird, dass man in der Lage ist, mit moralischer Stärke und praktischer Weisheit zu handeln. Die Dimension „enge soziale Beziehungen“ beschreibt die Wahrnehmung, dass man gesunde und zufrieden stellende Beziehungen zu anderen Menschen, einschließlich Freunden und Familie, hat. Ein gewisses Maß an finanzieller und materieller Stabilität ist jedoch erforderlich, um diese Dimensionen über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Daher stellt dieser Bereich eine unverzichtbare sechste Dimension dar (VanderWeele, 2017). Konkret bezieht sich diese Dimension auf die relative Abwesenheit von Sorgen um physische Sicherheit, Unterkunft oder finanzielle Belange. Jenseits dieser wesentlichen Dimensionen wird es schwieriger einen Konsens zu finden. Religiöse Menschen schätzen beispielsweise die Gemeinschaft mit Gott (oder dem Transzendenten), während Nicht-Religiöse dies vielleicht nicht tun. Es ist jedoch schwierig, sich ein erfülltes Leben vorzustellen, welches nicht die fünf wesentlichen Dimensionen und den ermöglichenden Bereich der materiellen Stabilität umfasst. Die Dimensionen des Wohlergehens sind sowohl Ergebnisse, die von einer Vielzahl individueller und sozialer Faktoren beeinflusst werden, als auch Prädiktoren für andere Ereignisse. So gibt es beispielsweise Hinweise darauf, dass die Covid-19-Pandemie erhebliche Auswirkungen auf viele, aber nicht alle Bereiche des Wohlergehens hatte. Eine Befragung unter Erwachsenen in den USA (Januar bis Juni 2020) ergab bspw. erhebliche Einbußen in den Dimensionen Gesundheit, Lebensfreude und finanzielle Stabilität. Wichtig ist jedoch, dass die Dimension Charakter und Tugenden in diesem Zeitraum nicht abgenommen hat (VanderWeele, Fulks, et al., 2020). In einer anderen Studie wurde festgestellt, dass die Dimensionen des Wohlergehens – einschließlich Lebenszufriedenheit, Lebenszweck sowie körperliche und psychische Gesundheit – ein höheres Maß an Hoffnung vorhersagen konnte (Long et al., 2020). Die Zusammenhänge waren jedoch bidirektional, wobei ein höheres Maß an Hoffnung auch ein höheres Maß an Gesundheit und Wohlbefinden voraussagte. Darüber hinaus zeigte sich, dass die finanziellen Verhältnisse unabhängig von Störfaktoren mit späteren selbstberichteten Messungen der körperlichen und geistigen Gesundheit zusammenhängen (Bialowolski et al., 2021). In ähnlicher Weise hat sich gezeigt, dass der Charakter eine Vielzahl von Faktoren im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden fördert (Wȩziak-Białowolska et al., 2021). Der Wortlaut der Items für den SFI und den FI findet sich in VanderWeele (2017). Der ursprünglich in den Vereinigten Staaten entwickelte SFI wurde in mehrere Sprachen übersetzt und in Ländern wie China, Mexiko, Polen, Sri Lanka und Kambodscha eingesetzt (Wȩziak-Białowolska et al., 2019a). Zudem ist der Einsatz in mehreren mehrere großen Kohorten-Längsschnittstudien vorgesehen (z. B. die Growing Up Today Study mit 27.000 Befragten - http://www.gutsweb.org und die Nurses Health Study mit 275.000 Befragten - https://nurseshealthstudy.org). Darüber hinaus wurde im Oktober 2021 ein großes Forschungsprojekt gestartet, das sich mit dem Wohlergehen weltweit befasst und wofür der SFI als primäres Maß verwendet wird. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit mit Gallup, die als Global Flourishing Study (Institute for Studies of Religion at Baylor University, 2021) bekannt ist, wurden ab 2022 Umfragedaten von 240.000 Personen auf der Grundlage national repräsentativer Stichproben in 22 Ländern erhoben, die etwa die Hälfte der Weltbevölkerung repräsentieren. Die Umfrage wird fünf Jahre lang einmal pro Jahr durchgeführt, und der daraus resultierende Längsschnittdatensatz wird in der Wohlbefindensforschung beispiellos sein. Die Ergebnisse können für Studien in anderen Ländern, in denen der SFI in Zukunft eingesetzt werden könnte, als Benchmark dienen. Sowohl der FI als auch der SFI weisen in Studien, die auf Gemeinschafts- und Arbeitsplatzstichproben basieren, gute psychometrische Eigenschaften auf. Dazu zählt eine hohe Konstruktvalidität sowie eine hohe Reliabilität (α = .89 für den FI; α = .86 für den SFI) (Wȩziak-Białowolska et al., 2019a). Mittels einer Faktorenanalyse wurde auch die faktorielle Struktur bestätigt. In kulturübergreifenden Untersuchungen mit Arbeitnehmerstichproben zeigte sich konfigurale, metrische und teilskalare Messinvarianz, was darauf hindeutet, dass die Maße kulturell universell sein könnten (Wȩziak-Białowolska et al., 2019b). Interessanterweise wiesen die Befragten aus den USA in dieser Studie in den meisten Dimensionen des Wohlergehens die niedrigsten Werte auf, mit Ausnahme von zwei Bereichen: Lebensfreude und Lebenszufriedenheit sowie finanzielle und materielle Stabilität. Die Befragten aus China hatten die höchsten Werte für Gesundheit und enge soziale Beziehungen, während die Werte für Charakter und Tugenden in Kambodscha relativ hoch waren. Die Befragten in Mexiko gaben die niedrigsten Werte für finanzielle und materielle Stabilität an, sahen aber dafür den vergleichsweise größten Sinn und Zweck in ihrem Leben (Wȩziak-Białowolska et al., 2019b). Weitere kulturübergreifende Forschungen sind jedoch erforderlich, um die weltweit vorherrschenden Muster des allgemeinen und bereichsspezifischen Wohlergehens besser zu verstehen. (xsd:string)
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  • Konvergente und diskriminante Validität konnten zufriedenstellend gezeigt werden. (xsd:string)